05.06.2012
Offenes Bürgerforum mit Kultusminister Dorgerloh
Nicht oft konnte der SPD-Ortsverein Köthen auf eine so gut besuchte Veranstaltung zurückblicken, wie auf das am 04.06.2012 durchgeführte Offene Bürgerforum zum Thema Gemeinschaftsschule und Inklusion.Eingeladen hatte hierzu der SPD-Ortsverein als prominenten Gast und Hauptreferent des Abends Sachsen-Anhalts Kultusminister Dorgerloh (SPD).
Der Minister erläuterte zu Beginn der Veranstaltung Inhalt und Ziele der in der Regierungskoalition vereinbarten Reformen des Schulalltags. Er wies ausdrücklich darauf hin, dass die Durchsetzung der Maßnahmen vom Ministerium "personell, sächlich und finanziell" voll unterstützt werden. Was er jedoch schon einige Minuten später relativieren musste, indem er auf eine Anfrage eines Diskussionsteilnehmers darauf hinwies, dass Sachsen-Anhalt die zweithöchsten Pro-Kopf-Ausgaben für den Bildungssektor in Deutschland hat und dass eine weitere Steigerung nicht zu erwarten ist.
Das anwesende, sachverständige Publikum nahm die angebotene Diskussion rege auf. Eine Schuldirektorin wies darauf hin, dass in den vergangenen Jahren jede Veränderung im Bildungssystem stets mit Mehrbelastungen für die Lehrer verbunden war, die jetzt an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit arbeiten. Auch wies sie auf die Leistungen der Pädagogischen Mitarbeiter hin, denen leider keine entsprechende Anerkennung des Arbeitgebers gegenüber stände.
Dorgerloh antwortete, dass man durch gezielte Maßnahmen die zu erwartenden Belastungen verringern wolle. So werde zukünftig auch ein sonderpädagogisches Modul zur Lehrerausbildung gehören, um den speziellen Anforderungen der Inklusion gerecht zu werden. Was die Pädagogischen Mitarbeiter betrifft, so wurden die Probleme bereits bei der Schaffung dieses Berufszweiges unveränderlich festgeschrieben.
Minister Dorgerloh gab sich alle Mühe, auf die zahlreichen Fragen ausführlich und sachkundig zu antworten. Seiner überzeugenden Art der Dialogführung war zu entnehmen, dass es ihm durchaus willkommen war, kritische Anfragen und Anregungen entgegen zu nehmen, was auch spürbar beim Publikum ankam.

Als dem Minister das Geblitze des Fotografen etwas zu viel wurde, stellte er diesem zur Erheiterung der Anwesenden spontan die Frage, ob er denn nicht endlich alle Posen im Kasten hätte. Später, nach Durchsicht des Materials, musste ich jedoch feststellen, dass eine Pose fehlte: die mit ministeriellen Sorgenfalten.
Sicher läßt sich dieser Posten nur mit Optimismus ertragen, sonst wäre ein Kultusminister bereits bei der ersten Haushaltsdiskussion erledigt.
Minister Dorgerloh wird seinen Optimismus brauchen. Denn zwischen ihm und der Lehrerschaft steht, anders als an diesem Abend, die Ministerialbürokratie und auch die will überzeugt sein.
Die Zukunft wird zeigen, was Gemeinschaftsschule und Inklusion Sachsen-Anhalt und seinen Schülern bringen, ob letztendlich den Unternehmen gutausgebildete und leistungsbereite Schulabgänger in ausreichender Zahl übergeben werden. Mögen Minister Dorgerloh und allen anderen Beteiligten in dieser Sache weiterhin Sorgenfalten erspart bleiben !
B.S.
