30.05.2010
Soll man Heilige Kühe schlachten ?
Diese Frage zu stellen, würde man sich in Indien garnicht erst trauen. Hierzulande wurde sie unlängst in einem Ausschuss des Köthener Stadtrates gestellt, als es um das Haushaltskonsilidierungskonzept ging.Hintergrund ist, dass der Landkreis den letzten Haushalt der Stadt nur unter dem Vorbehalt genehmigte, dass bis zum 31. August 2010 ein Konsolidierungskonzept vorgelegt wird. Die Stadtverwaltung hatte einen Plan aufgestellt, der Möglichkeiten der Einsparung und Einnahmenerhöhung beinhaltete. Dieser wurde, mit Mehrheit von CDU und LINKEN, im Sozial- und Kulturausschuss und später im Sanierungsausschuss abgelehnt. Als "konstruktive" Gegenvorschläge forderten die Stadträte Andreas Auerbach (CDU) und Fritz Greie (LINKE) die "Schlachtung der Heiligen Kühe der Stadt". Damit sind allerdings nicht die in "Kuh"-Köthen zahlreich anzutreffenden Kuh-Kunst-Objekte gemeint, sondern die Objekte die einst (auch von Stadträten) geschaffen wurden, um die Stadt Köthen attraktiver zu machen. So z.B.:
- die Kultur und Marketing GmbH
- die Bach-Tage
- die Homöopathie-Tage
- den Tierpark
- das Freizeit- und Familienbad
Der Redewendung mit den Heiligen Kühen läßt sich jedoch ein altes Sprichwort entgegen setzen: Man sollte nicht den Ast absägen auf dem man sitzt !
Alle obengenannten Punkte sind schließlich Aspekte mit denen sich Köthen in der Konkurrenz zu anderen Städten behauptet bzw. sich sogar positiv absetzt.
Stadtrat Fritz Greie (LINKE) meinte, die Bachfesttage seien "wunderhübsch", aber die Zahl der Köthener, die hingingen, seien "Peanuts". Sicher ist es ihm, dem Vorsitzenden des Sozial- und Kulturausschusses, entgangen, dass diese Festtage nicht nur für die Köthener da sind, sondern gerade dafür gedacht sind, Auswärtige nach Köthen zu holen.
Natürlich gibt es preiswertere Verlustierungen. Weg von der elitären Bachtrompete wieder hin zur volkstümlichen Schalmei. Wir brauchen keinen Bach, wir haben unsere Ziethe. Statt barocker Konzerte zurück zum ÖKULEI, da waren doch alle Werktätigen mit dem Herzen dabei - oder ?
Wer an der falschen Stelle sparen will, der glaubt doch nicht im Ernst daran, dass dann noch jemand freiwillig nach Köthen kommt oder gar her zieht, geschweige denn hier in Arbeitsplätze investiert !?
Köthen wird nicht umhin kommen mit der Erhöhung seiner Einnahmenseite den Haushalt in den Griff zu kriegen. Und da sind alle gefragt. Stadtrat Andreas Wittig (SPD) hat dies erkannt. Der Sportverein, dem er angehört, unternimmt bereits Aktivitäten, um eine (mit Sicherheit kommende) Verringerung der Bezuschussung durch die Stadt abzufedern. Andere werden folgen, bzw. machen dies bereits sicher ebenso.
Vor Monaten war die Einführung eines Sozialpasses im Stadtrat diskutiert und verworfen worden. Vielleicht wäre jetzt erneut Gelegenheit darüber zu sprechen. Wenn die Einnahmen erhöht werden sollen, dann natürlich nach dem Solidarprinzip (und keine "Kopfpauschale"). Wer mehr leisten kann, der soll auch mehr zahlen. Ein Sozialpass, mit Ermäßigungen für den Besitzer, könnte dann verpflichtend sein für alle Vereine, die Leistungen von der Stadt beziehen und für Unternehmen, die mit der Stadt irgendwie verbunden sind.
Damit wären Köthen und seine Kühe (einstweilen) gerettet.
B.S.
