13.01.2010
Nachruf
Wir trauern um einen Genossen, der wie das Leben war: eckig und kantig. Doch immer ehrlich.Am 31.12.2009 starb unser Freund und Wegbegleiter Herbert Kühnel.
Ohne ihn wäre unsere Stadt nicht, wie sie ist. Denn Herbert Kühnel setzte sich wie kein zweiter ein für Umwelt und Natur.
Ohne ihn wäre es auch in unserem Ortsverein weniger lebendig gewesen.
Herbert, wir werden das, wofür du standest, lebendig halten!
Köthen, im Januar 2010
SPD-Ortsverein Köthen
Herbert Kühnel war kein bequemer Mensch. Er war unbequem im besten Sinne des Wortes: Er hat es sich selbst nicht leicht gemacht und sich über Jahrzehnte unermüdlich für den Natur- und Umweltschutz eingesetzt. Von 1965 - 2008 war er Kreisnaturschutzbeauftragter des Kreises Köthen. Seine Fürsorge galt Bäumen, Hecken und Sträuchern sowie allem was in der Luft unterwegs war: Vögeln und Insekten. Er wusste wie kaum jemand anderes in Köthen: Ohne diese uns umgebende Mitwelt wäre unser Leben unendlich viel ärmer. Und er handelte danach.
Und er hat es der Obrigkeit ebenfalls nicht leicht gemacht: Nicht den Funktionären der SED und des DDR-Staates, auch nicht den beiden Oberbürgermeistern Köthens nach der friedlichen Revolution von 1989/1990, nicht den Dezernenten und Amtsleitern der Stadtverwaltung. Von den einen ließ es sich nicht vereinnahmen und bei den anderen legte er immer dann den Finger in die Wunde, wenn er die Belange von Natur und Umwelt verletzt sah.
Er war schließlich auch unbequem für seine eigene Partei - er gehörte zu den Neubegründern der Köthener SPD, und für die Stadtratsfraktion der SPD. Wenn er die innerparteiliche Demokratie in Gefahr wähnte oder gar Amtsmissbrauch oder Verrat an Prinzipien witterte, sprach er dies unerbittlich an und konnte dabei so manches Mal laut werden.
Aber er war dabei ein über die Fraktionsgrenzen geschätzter Experte und Kritiker.
Dass Köthens Antlitz in den letzten beiden Jahrzehnten um so vieles ansehnlicher wurde, daran hat er nicht unerheblichen Anteil. Er war von 1990 bis 2009 Mitglied im Bau- und Umweltausschuss des Köthener Stadtrates und von 1994 bis 1999 dessen Vorsitzender. Ungemütlich konnte er werden, wenn jemand den Ausschuss nur kurz Bauausschuss nannte, denn Bauen und Umwelt gehörten für ihn zusammen. Die gesamten 19 Jahre seines Wirkens im Stadtrat war auch Mitglied des Sanierungsausschusses und des Rechnungsprüfungsausschusses.
Er war, wie Kurt-Jürgen Zander bei seiner Verabschiedung aus dem Stadtrat bemerkte, „das grüne Gewissen unserer Stadt“.
Für den Tierpark trat er unermüdlich ein und war von 1997 bis 2007 Vorsitzender des Köthener Tierparkfördervereins. In dieser Zeit entstanden die neue geräumige und artgerechtere Bärenanlage, die Kaninchenfrei – und Schauanlage, das neue Luchsgehege, die Anlagen für Woll-, Mini-, Stachel- und Wildschweine. Die kürzlich übergebene begehbare Damwildanlage hat er mit auf den Weg gebracht.
Ich habe Herbert Kühnel Anfang des Jahres 1990 kennen gelernt und verdanke ihm manche Einsichten und prägende Eindrücke. Mitunter hatte ich Streit mit ihm, aber ich wusste, dass dieser nie lange anhielt. Davor war er bereits lange Jahre als Biologie-Lehrer tätig und hat sicher, davon bin ich überzeugt, Spuren bei einigen Schülergenerationen hinterlassen.
Am 31. Dezember 2009 ist er nach 77 Lebensjahren leise gestorben. Ich glaube fest daran, dass die Fraktion SPD-Bündnis90/Die Grünen sein Vermächtnis pflegen und bewahren wird.
Martin Pfarr, Fraktionsvorsitzender
SPD-Stadtratsfraktion Köthen
